KI für Präsentationen sinnvoll einsetzen – so geht's
von Peter Flume
Verfolgt man die Medien hinsichtlich der Nutzung von KI, so ist festzustellen, dass einerseits der versprochene Produktivitätsgewinn bislang nicht oder nur selten erzielt wird und andererseits, dass die fachliche Qualität insbesondere bei Texten und Präsentationen immer dünner wird und Floskeln und ewig gleiche Formulierungen dominieren.
Beides ist richtig und hängt, wenn wir den Blick auf Präsentationen und Vorträge richten, stark damit zusammen, dass die KI weder systematisch geführt wird noch an den spezifischen Bedürfnissen der Sprecher oder Sprecherinnen und den Anforderungen des Publikums ausgerichtet strukturiert und formuliert wird.
Die Idee hinter SMART SPEECH ist es, den Leserinnen und Lesern die systematische Vorgehensweise bei der Erstellung von Reden und Präsentationen der klassischen antiken Rhetorik zu vermitteln und dies als Workflow in die Gestaltung von Prompts einfließen zu lassen, damit das Ergebnis jeweils individuell und fachlich tiefgehend überzeugt.
Präsentationen mit KI erstellen – in 4 Schritten
1. Die Vorbereitung
Basis für einen guten Vortrag ist zunächst, dass der Redner oder die Rednerin überhaupt etwas zu sagen hat. Somit besteht ein wesentlicher Teil der Vorbereitungsarbeit einer Rede darin, die fachlichen Inhalte zusammenzustellen, die später für die Rede oder Präsentation aufbereitet und auf den Punkt gebracht werden müssen. Diese Zusammenstellung verständig der KI zu überlassen, wäre ein großer Fehler, denn dann ist der Redner oder die Rednerin nicht mehr in der Lage, die Inhalte in der Tiefe zu verstehen und auf konkrete Nachfragen des Publikums mit Fachwissen statt mit Bullshit-Floskeln zu antworten. Aber auch die Ziele der Rede spezifisch zu definieren, eine Stakeholdermatrix zu erstellen und individuelle Besonderheiten innerhalb des Publikums herauszuarbeiten, kann die KI nicht; das muss vom Redner bzw. der Rednerin geliefert werden. Die KI kann anschließend die bereitgestellten Informationen zu einem detaillierten und strukturierten Bericht zusammenfassen und eine Situationsanalyse nach dem Pyramidenprinzip von Barbara Minto durchführen. Mehr sollte der KI in diesem Schritt der sogenannten Inventio nicht überlassen werden. Erfahrungen in Trainings mit Teilnehmern zeigen, dass, wenn jetzt schon die Rede beauftragt wird, nichts wirklich Substanzielles geliefert wird.
2. Den roten Faden knüpfen
Im zweiten Schritt, der sogenannten Dispositio, muss der KI dann der geeignete rote Faden vorgegeben werden. Die Entscheidung für den Aufbau – Sachvortrag, TED-Talk, Vergleichsstruktur für Entscheidungen – trifft der Redner bzw. die Rednerin. In SMART Speech stelle ich zunächst einmal die Wirkmechanismen vor, die den jeweiligen Strukturen zugrunde liegen, damit die Leser erkennen, warum sich vollständig von der KI erstellte Vorträge alle gleich anhören. Das typische Muster der KI ist eine Pro-Contra-Struktur, da in nahezu jeder Rede argumentiert werden muss. Erst Prompts, die die KI auffordern, konsequent eine bestimmte Struktur umzusetzen, liefern individuelle Ergebnisse.
3. Den Vortrag aufpolieren
Doch eine stimmige Struktur auf Basis passender Inhalte liefert nur das Rückgrat für eine Rede. Erst mit individuellen Schmuckelementen (Elocutio) wird eine Präsentation farbenfroh und persönlich. Besonders deutlich wird dies bei der Verwendung rhetorischer Stilmittel. Eine rein KI-generierte Rede erkennt man leicht an der inflationären Verwendung von Antithese-These-Konstruktionen: "… hört sich ungewöhnlich an, ist es aber nicht …" oder "Ich weiß, dass diese Veränderungen auch mit Belastungen und neuen Unsicherheiten einhergehen [...] Aber genau deswegen können wir diese Entscheidungen jetzt nicht aufschieben. Die Reformen müssen kommen." Die richtigen Prompts, so wie in SMART SPEECH dargestellt, weisen die KI an, hier zielgerichtet wirkungsverstärkend mehr Sprachvielfalt in den Vortrag zu bringen.
Darüber hinaus lässt sich die KI zu diesem Zeitpunkt auch für die Erstellung von Folien und als Trainer für Sprechrhythmus und Stimmführung einsetzen.
4. Konzept und Memoria
Im klassischen Workflow kommt der Memoria, dem Erinnern der Sprechtexte, eine weitaus größere Bedeutung zu, als sie die meisten Vortragenden dieser Phase heute beimessen. Dabei ist die Übung, auch der Umgang mit Zwischenfragen, ein wesentlicher Teil, der die gute Rednerperformance gewährleistet. Hier taugt die KI als Sparringspartner und ist in der Regel fordernder als menschliche Übungspartner, was das Aufdecken von Schwächen in der Präsentation oder in Antworten angeht. Auch für die Erzeugung passender "Spickzettel" mit Stichworten, Halbsätzen und/oder Regieanweisungen in konventionellen oder digitalen Varianten ist die KI ein echter Assistent, der Arbeit abnimmt.
Fazit
Qualitative Tiefe entsteht bei der Nutzung von KI erst dadurch, dass der klassische Workflow von Inventio über Dispositio, Elocutio bis zur Memoria sauber in Prompts übersetzt und dann umgesetzt wird. Durch die Möglichkeit, nach jedem einzelnen Schritt noch selber Hand anzulegen, bleibt der Redner oder die Rednerin mit dem Inhalt verbunden und setzt individuelle Akzente, die "Einheitsbrei" vermeiden. Gleichzeitig senkt der Einsatz der KI die Vorbereitungszeit um bis zu 75 %, da etliche ansonsten zeitraubende Schritte bei der Erstellung von Präsentationen an die KI ausgelagert werden. Es entsteht eine SMART SPEECH.
Das Buch
Mit KI Vorträge schneller vorbereiten und überzeugend präsentieren: Rhetorik-Coach Peter Flume zeigt, wie Sie ChatGPT, Claude und Gemini für Ideenfindung, Argumentationsaufbau und Redetraining einsetzen. Praxisnahe Workflows und Prompts helfen, Zeit zu sparen und Ihren eigenen Stil zu bewahren.
Stand: November 2026
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