Tipps zur Literaturarbeit: Quellenrecherche und -auswahl
Mit Ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit zeigen Sie, dass Sie in der Lage sind, sich in ein Thema einzuarbeiten und eine Fragestellung wissensvermittelnd zu bearbeiten. Die systematische Recherche, Auswahl und Verwendung von Literatur ist dabei ein notwendiger Teilschritt. Spätestens am Ende Ihres Studiums wird von Ihnen erwartet, bei diesen Arbeitstechniken sicher zu agieren.
Die folgenden Tipps sollen Ihnen dabei helfen.
Quelle: Beitrag von Prof. Dr. Thomas Träger aus WiWi Career 2021/2022
Tipp 1: Vorbereitung jeder Recherche
Ihre Literaturrecherche wird schneller zum Erfolg führen, wenn Sie diese vor Beginn gut planen. Legen Sie sich eine Suchstrategie zurecht, die bestimmt, wonach Sie wie suchen. Der erste Schritt dazu ist eine Analyse Ihres Themas: Identifizieren Sie zunächst die Kernbegriffe und wesentlichen Fachgebiete des Titels. Für jeden Begriff machen Sie sich Notizen: Was sind Synonyme des Begriffs, wie lautet der Begriff in seiner englischen Übersetzung, was sind semantisch verwandte Begriffe?
Im zweiten Schritt bilden Sie aus den Kernbegriffen ein Wortfeld: Streichen Sie Doppelnennungen, ergänzen Sie die Begriffe um ggf. abweichende Pluralformen.
Im dritten Schritt verändern Sie zur Reduktion Ihres Suchaufwandes manche Begriffe, indem Sie Ähnlichkeiten durch Platzhalter abbilden: »Personalplan*« findet später »Personalplan«, »Personalplanung«, »Personalplaner « etc.
Tipp 2: Quellenarten zeitlich versetzt nutzen
Quellen lassen sich nach Art klassifizieren: Es gibt Lehr- und Fachbücher, Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften, Sammelwerke, Dissertationen und weitere Arten.
Für Ihre wissenschaftliche Abschlussarbeit sind diese unterschiedlich wertvoll. So ist es an zahlreichen Hochschulen verpönt, in der Abschlussarbeit in größerem Umfang aus Lehrbüchern zu zitieren. Der Grund liegt darin, dass Lehrbücher den Stand des Wissens zu einem bestimmten Themengebiet grundlegend und didaktisch einfach aufbereitet darlegen. Vertiefte Darstellungen mit ausführlichen, abwägenden Diskussionen sind dort üblicherweise nicht zu finden.
Lehrbücher können Ihnen den Einstieg in das Thema Ihrer Abschlussarbeit ebnen und weiterführende Quellen nennen. Wenn Sie die Grundlagen des Themas kennen, suchen Sie nach Fachbüchern zum Thema. Fachbücher behandeln ein eng abgegrenztes Fachgebiet, dies dafür fachlich tief und differenziert.
Zuletzt sollten Sie sich den Aufsätzen in wissenschaftlichen Zeitschriften widmen:
Diese sind üblicherweise aktueller als Fachbücher, vermitteln aber nur selten grundlegendes Fachwissen zum Thema. Sie sind fokussiert auf eine besondere Forschungsfrage und richten sich an das Fachpublikum.
Tipp 3: Zitierwürdigkeit der Quellen beachten
Eine Quelle ist zitierwürdig, wenn sie wissenschaftlichen Qualitätsansprüchen genügt. Indem Sie qualitativ hochwertige Quellen nutzen, signalisieren Sie den Gutachtern Ihrer Arbeit die Leistung Ihrer Literaturarbeit.
Etwas blumig formuliert: Wann immer Sie eine hochwertige Quelle für Ihre Arbeit lesen und nutzen, färbt ein wenig »Glanz« dieser Publikation auch auf Ihre Arbeit ab.
Man kann Zitierwürdigkeit nicht absolut angeben, sondern immer nur im Kontext des Themas einer Arbeit bewerten. Das sind drei wesentliche Kriterien für Printpublikationen:
- Die Namen der Verfasser,
- ihr Renommee in einem bestimmten Fachbereich,
- die Güte des Verlags.
Tipp 4: Primärliteratur nutzen
Direkt an den vorherigen Tipp anschließend sollten Sie immer die Originalquellen aufsuchen. Diese sog. Primärquellen haben gegenüber den aus ihnen angeleiteten Sekundärquellen den Vorteil, dass Sie beim Lesen der ursprünglichen Veröffentlichungen nicht Gefahr laufen, einen Fehler oder eine fachliche Verkürzung der Darstellung durch den Sekundärautor in Ihre Arbeit zu übernehmen.
Vermeiden Sie entsprechend auch Rezitate, denn diese signalisieren die fehlende Nutzung der Primärquellen. Der zusätzliche Aufwand wird durch die bessere Bewertung Ihrer Literaturarbeit wettgemacht.
Tipp 5: Aktualität der Literatur
Beachten Sie bei Ihrer Quellenauswahl die Aktualität der Literatur. Dabei gilt: Die die Grundlagen eines Modells, einer Theorie etc. können mit älteren Werken bearbeitet und belegt werden. Daneben sollten Sie durch das Studium von aktuellen Fachveröffentlichungen wie Zeitschriftenartikeln, Sammelbänden und anderen die Literaturarbeit zu Ihrem Thema auf den heutigen Tag fortschreiben.
Bei manchen Themenstellungen ist die Aktualität auch sofort schlüssig: Angenommen, Sie schreiben u.a. über die Entwicklung des Online-Handels. Bereits wenige Jahre alte Publikationen zum Thema Internet, »e-Commerce« gelten bei der Rasanz der Internetökonomie als Steinzeit.
Tipp 6: Die »richtige« Anzahl der Quellen
Gleich vorweg: Die eine Antwort auf die Frage nach der erforderlichen Anzahl an Quellen gibt es nicht. Gemäß der Zitierpflicht sind alle für die Arbeit verwendeten Quellen im Literatur- und Quellenverzeichnis zu nennen und die in der Arbeit genutzten Fundstellen durch Zitate kenntlich zu machen.
In den Passagen Ihrer Arbeit, die wissenschaftliche Theorien oder Forschungsmethoden beschreiben, ist aus Gutachtersicht eine höhere Quellendichte zu erwarten als in Passagen, welche die besondere Eigenleistung der Verfasserin / des Verfassers darstellen.
Wenn eine studentische Arbeit beispielsweise ein relevantes Werk zu einem Kernbegriff der Arbeit nur als Zitatquelle für eine Nebensächlichkeit nutzt, und nicht auf den Hauptgedanken dieser Quelle eingeht, wird dies wahrscheinlich bei der Begutachtung der Arbeit negativ auffallen.
Daher: Denken Sie an die Zitierpflicht. Und wenn Sie die bisher behandelten Tipps 1 bis 5 gewissenhaft umgesetzt haben, wird auch die Anzahl der Quellen passend sein.
Tipp 7: Quellen passend organisieren und archivieren
Die Zitierpflicht des wissenschaftlichen Arbeitens verlangt, alle aus fremden Quellen übernommenen Inhalte als solche zu kennzeichnen. Dazu dient das Zitat mit Angabe der Fundstelle.
Das Literatur- und Quellenverzeichnis Ihrer Arbeit enthält die notwendigen bibliographischen Angaben, um die genannten Quellen für Dritte wiederauffindbar zu machen. Dies ist erforderlich, falls Gutachter oder andere Leser zitierte Textstellen und Abbildungen nachprüfen wollen.
Bedenken Sie: Eine Quelle, die Sie später nicht korrekt im Literatur- und Quellenverzeichnis Ihrer Arbeit aufführen können, muss unberücksichtigt bleiben!
Fazit
Auch wenn Sie während Ihres Studiums bereits Literaturrecherchen für die studienbegleitenden Arbeiten durchgeführt haben, stellen Bachelor- oder Master-Thesis in der Komplexität des Themas und der Menge an Quellen eine neuartige Herausforderung dar. Die genannten Tipps können Ihnen helfen, diese zu meistern.
Der Autor
Selbstständiger Unternehmensberater in Landshut und Professor für Organisation und Personalwesen an der Steinbeis-Hochschule Berlin, SHB
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Zwei Bücher, ein Ziel: die erfolgreiche Abschlussarbeit. Während der eine Band Studierende Schritt für Schritt durch die Erstellung ihrer Bachelorarbeit führt und zentrale Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens inklusive KI-Nutzung vermittelt, konzentriert sich der andere auf die fundierte Bewertung und korrekte Zitation klassischer, digitaler und ungewöhnlicher Quellen – von Online-Studien bis zu Projektmaterialien. Gemeinsam bieten beide Titel kompakte, praxisnahe Unterstützung, zahlreiche Beispiele und konkrete Hilfestellungen für mehr Sicherheit beim ersten großen wissenschaftlichen Projekt.
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Exkurs: Künstliche Intelligenz bei der Literaturarbeit nutzen
KI-Tools eröffnen neue Möglichkeiten für die Literaturrecherche und das wissenschaftliche Arbeiten. Sie können bei der Suche nach Quellen unterstützen, ersetzen aber weder die kritische Prüfung der Literatur noch die eigenständige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Worauf Sie bei der Nutzung achten sollten, erfahren Sie in diesem Exkurs.
KI als Unterstützung bei der Literaturrecherche
Generative KI und spezialisierte Recherchetools können den Einstieg in ein Thema erleichtern. Sie liefern Anregungen für Suchbegriffe und Synonyme, helfen bei der Eingrenzung einer Fragestellung und können Vorschläge für einen strukturierten Suchplan machen. Spezialisierte Tools ermöglichen teilweise auch, thematische Zusammenhänge und Verbindungen zwischen wissenschaftlichen Veröffentlichungen sichtbar zu machen.
Nutzen Sie die Ergebnisse als Ausgangspunkt für Ihre eigene Recherche. KI-Tools greifen nicht uneingeschränkt auf wissenschaftliche Datenbanken zu. Je nach Tool können ältere Veröffentlichungen, gedruckte Bücher und Sammelbände fehlen. Auch die Qualität der Ergebnisse kann je nach Sprache und Fachgebiet variieren.
Quellen kritisch prüfen
Besondere Vorsicht ist bei den Literaturangaben geboten, die KI-Tools ausgeben. Sprachmodelle können Quellen erfinden, bibliografische Angaben falsch wiedergeben oder Veröffentlichungen Inhalte zuschreiben, die sich darin tatsächlich nicht finden. Prüfen Sie deshalb jede vorgeschlagene Quelle auf ihre Existenz, die bibliografischen Angaben und ihre inhaltliche Eignung. Suchen Sie die Originalpublikation auf und lesen Sie die relevanten Passagen selbst.
Übernehmen Sie auch Aussagen nicht ungeprüft, nur weil sie mit einer Quellenangabe versehen sind. Ob eine Quelle eine Behauptung tatsächlich stützt, lässt sich nur durch die eigene Prüfung feststellen. Für wissenschaftliche Belege sollten Sie auf die Originalquellen zurückgreifen und diese nach den geltenden Zitierregeln nachweisen.
Den Einsatz von KI dokumentieren
Klären Sie frühzeitig mit Ihrer betreuenden Person, ob und in welchem Umfang Sie KI für Ihre wissenschaftliche Arbeit verwenden dürfen. Beachten Sie außerdem die Vorgaben Ihrer Hochschule und den geforderten Zitierstil. Je nach Regelung kann es erforderlich sein, den KI-Einsatz im Fließtext, in einer Fußnote oder im Anhang zu dokumentieren. Halten Sie gegebenenfalls fest, welches Tool Sie für welche Arbeitsschritte eingesetzt haben und welche Prompts dabei zum Einsatz kamen.
Übernehmen Sie KI-generierte Textpassagen nicht ungeprüft und geben Sie diese nicht als eigene wissenschaftliche Leistung aus. Eine KI-Ausgabe ist kein Ersatz für einen wissenschaftlichen Beleg. Auch wenn ein Tool eine Aussage mit einer Quellenangabe versieht, müssen Sie nachvollziehen können, worauf die Aussage beruht. Verändern Sie zudem keine vorgegebenen Eigenständigkeitserklärungen eigenständig, sondern halten Sie sich an die offiziellen Vorgaben Ihrer Hochschule.
Fazit: KI ergänzt die klassische Literaturrecherche
KI kann die Literaturarbeit effizienter gestalten und neue Rechercheansätze eröffnen. Die Verantwortung für die Auswahl, Bewertung und korrekte Verwendung der Quellen bleibt jedoch bei Ihnen. Setzen Sie KI daher gezielt als Hilfsmittel ein, überprüfen Sie ihre Ergebnisse anhand verlässlicher Originalquellen und dokumentieren Sie die Nutzung entsprechend den geltenden Vorgaben.
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Stand: Oktober 2026
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